Von MRS zu SAP FSM und RSH: Wie Sie Ihre Einsatzplanung zukunftsfähig aufstellen

Viele Unternehmen planen ihre Instandhaltungs- und Serviceeinsätze seit Jahren mit SAP Multi Resource Scheduling (MRS). Fachlich funktioniert das oft noch, aber strategisch ist klar: Die SAP setzt auf S/4HANA, Cloud und neue Lösungen für Ressourcenplanung. Wer heute MRS produktiv einsetzt, steht in den nächsten Jahren vor der Frage: Wie geht es weiter – und was passt besser zu uns: SAP FSM, RSH oder beides?

Genau darum ging es im Webinar: Wir schauen auf den aktuellen Stand von MRS, ordnen SAP Field Service Management (sap fsm) und RSH ein und skizzieren einen pragmatischen Weg vom Ist- zum Zielbild.

 

Wo MRS steht – und warum Sie jetzt planen sollten

MRS wurde Mitte der 2000er als Add-on für SAP eingeführt und über viele Jahre weiterentwickelt. Die letzte große Version für S/4HANA stammt aus der 10.x-Linie [VERIFY]. Spätestens mit der S/4HANA-Strategie hat SAP jedoch die Weichen gestellt:

  • ECC-Kunden: Wartungsende 2027 – damit endet auch das komfortable Umfeld für MRS auf der alten Plattform.
  • S/4HANA-Kunden: Haben noch etwas länger Zeit, aber das Produkt ist klar nicht mehr der Kern der zukünftigen Roadmap.

Gleichzeitig sind MRS-Systeme in der Praxis stark kundenspezifisch: individuelle Logik, eigene Cockpits, komplexe Stammdatenpfade. Eine 1:1-Migration auf ein neues Tool gibt es nicht. Stattdessen ist das Ziel, die heutigen Prozesse zu verstehen und auf die neuen Bausteine abzubilden:

  • RSH für Kapazitäts- und Ressourceneinsatzplanung im SAP EAM unter S/4HANA
  • sap field service management für Service- und Wartungseinsätze, vor allem im Außendienst

Evora geht diesen Weg bewusst über Analyse und Empfehlung: Welche Funktionen nutzen Sie heute in MRS? Welche davon sind fachlich kritisch? Und wo passt eher RSH, wo eher SAP FSM – oder wo ergänzt sich beides sinnvoll?

RSH: Ressourcen- und Kapazitätsplanung im S/4HANA-Standard

RSH (S/4HANA Asset Management für Ressourceneinsatzplanung) sitzt direkt im S/4HANA Asset Management und richtet sich klar an Instandhaltungsplaner. Die Lösung ist Fiori-basiert, nutzt SAP-EAM-Stammdaten und konzentriert sich auf mittel- und langfristige Kapazitäts- und Ressourcenplanung.

In der Praxis sieht das so aus:

Sie starten mit einem Dashboard, das wichtige Kennzahlen grafisch aufbereitet:

  • anstehende Aufträge in den nächsten Wochen nach Priorität
  • nicht rückgemeldete Aufträge der letzten Monate
  • Auslastung der relevanten Arbeitsplätze
  • nicht zugeordnete Arbeiten, sortiert nach Kritikalität

Von dort aus springen Sie in Fiori-Apps wie „Arbeitsplatzauslastung steuern“ oder in die Instandhaltungsplantafel. In der Plantafel sehen Sie:

  • Aufträge und Vorgänge entlang der Zeitachse
  • Kapazitätsauslastung je Arbeitsplatz pro Tag/Woche
  • farbliche Kennzeichnung von Überlast

Sie können Aufträge per Drag-and-Drop in andere Zeitfenster schieben oder auf einen zweiten Arbeitsplatz legen. RSH berechnet sofort die neue Auslastung. Damit steuern Sie, dass ein Arbeitsplatz z.B. konstant zwischen 70 und 90 % ausgelastet ist, statt punktuell in den roten Bereich zu laufen.

Ein weiterer Baustein sind die Terminpläne: gleichartige Aufträge (z.B. für eine Revision) werden in einem Zeitraum gebündelt. Sie definieren Start und Ende, lassen das System terminieren und können später auswerten, wie gut die Planung zur Realität gepasst hat. Das ist gerade für Kampagnen und gebündelte Instandhaltungen hilfreich.

Wichtig ist: RSH bleibt in der Logik der innerbetrieblichen Instandhaltung – Arbeitsplätze, Kapazitäten, technische Objekte. Für klassischen Field Service mit Kunden, Reisezeiten und Qualifikationen reicht das alleine meist nicht.

SAP FSM: Disposition mit Service- und Technikerfokus

SAP Field Service Management (sap fsm) ist die zweite Säule im MRS-Nachfolgeszenario – allerdings mit einem klar anderen Schwerpunkt. Es handelt sich um eine cloudbasierte Lösung, die Service- und Wartungseinsätze effizient planen und steuern soll – inklusive Außendienst, Reisezeiten und Kundenkommunikation.

Aus Sicht der Disposition sieht der Alltag so aus:

Sie arbeiten in einer Plantafel, die Techniker (oder Ressourcen) auf der vertikalen Achse und einen Zeitstrahl horizontal zeigt. Einsätze (Serviceabrufe/Aktivitäten) können Sie:

  • manuell per Drag-and-Drop auf Techniker und Zeitfenster ziehen
  • halbautomatisch zuweisen: FSM schlägt geeignete Techniker vor
  • vollautomatisch über Richtlinien nachts verteilen lassen

Die halbautomatische Zuweisung nutzt Regeln, die Sie definieren können. Beispiele:

  • Qualifikationen: Welche Skills verlangt die Tätigkeit? Welche Techniker bringen sie mit?
  • Distanz: Wie weit ist der Techniker vom Einsatzort entfernt?
  • Arbeitszeiten: Passt der Einsatz ins Zeitfenster? Sind Überplanungen erlaubt?
  • Prioritäten: Sollen Störungen vor Wartungen eingeplant werden?

Ein wichtiger Unterschied zu RSH: Qualifikationen und Fertigungshilfsmittel sind in SAP FSM direkt im Standard verankert. Techniker erhalten Skills, Einsätze verlangen Skills, und das System prüft bei der Planung, ob das zusammenpasst. Fertigungshilfsmittel wie Hubwagen oder Leitern können Sie einem Einsatz zuordnen, ihre Verfügbarkeit prüfen und reservieren.

Für den Außendienst entscheidend ist außerdem die Kartenintegration:

  • Start- und Zielorte der Einsätze werden über die Heimatadresse des Technikers und die Kundenadresse abgebildet.
  • Reisezeiten werden berechnet und im Gantt als graue Bereiche angezeigt.
  • Routen lassen sich im Kartenbild umstellen, z.B. wenn eine andere Reihenfolge der Einsätze sinnvoller ist.

Ergänzt wird das Ganze durch Funktionen wie Crowd Service (Einbindung von Partnern), Customer Self Service (Kunde meldet Störung und schlägt Termine vor), KI-Unterstützung und Standard-Dashboards, etwa bei einer Anbindung an die SAP Analytics Cloud [VERIFY]. Und natürlich gibt es eine eigene mobile App, mit der Techniker Einsätze, Zeiten, Material und Checklisten bearbeiten können.

 

engineer wearing hardhat at workplace in office and working on resource scheduling on his laptop.
MRS-Ablösung in der Praxis: Vorgehen statt Big Bang

Die zentrale Botschaft des Webinars: Es gibt nicht die eine Standardmigration „MRS → Produkt X“. Stattdessen ist der Weg immer prozessorientiert. Evora geht typischerweise so vor:

Zunächst wird klar herausgearbeitet, wie MRS heute verwendet wird:

  • Welche Planungsebene dominiert – Arbeitsplätze, Teams, einzelne Techniker?
  • Wie stark sind Qualifikationen und Reisezeiten heute tatsächlich relevant?
  • Welche Eigenentwicklungen nutzen Sie im MRS – Zusatzfelder, Sonderlogik, Cockpits?

Darauf basierend entsteht eine Ablöseempfehlung:

  • Szenario 1: RSH deckt die wesentlichen Anforderungen ab, z.B. in einer überwiegend internen Instandhaltung ohne ausgeprägten Field Service.
  • Szenario 2: sap field service management ist die bessere Option, weil Außendienst und Servicekunden im Fokus stehen.
  • Szenario 3: Eine Kombination aus RSH und FSM ist sinnvoll – Grobplanung in RSH, Feinplanung auf Techniker-Ebene in FSM.

Wichtig ist, dass Sie frühzeitig klären, welche Funktionen aus MRS wirklich unverzichtbar sind – und wo die Umstellung eine Chance ist, überladene Prozesse zu vereinfachen. Evora bringt hier Erfahrung aus vielen Projekten mit SAP EAM, SAP FSM, SAP Service and Asset Manager und sap application management services mit. Das hilft, nicht nur ein neues Tool einzuführen, sondern die Einsatzplanung insgesamt stabiler aufzustellen.

Möchten Sie tiefer ins Thema einsteigen?

Wenn Sie sehen möchten, wie Unternehmen den Übergang von MRS hin zu modernen Planungsansätzen mit SAP FSM und RSH gestalten, empfehlen wir Ihnen unser On-Demand-Webinar. Dort zeigen wir typische Zielbilder, reale Migrationsszenarien und bewährte Vorgehensmodelle für die Ablösung von MRS.
👉 Zum On-Demand-Webinar „Service – aber mit Struktur: Von SAP MRS zu SAP FSM“:
https://www.evorait.com/de/events/service-aber-mit-struktur-von-sap-mrs-zu-sap-fsm/

FAQ: MRS-Ablösung, SAP FSM und RSH

Weil der technische und vertragliche Rahmen endet. Auf ECC läuft der Wartungsvertrag aus, auf S/4HANA liegt der Fokus der SAP auf neuen Lösungen. Frühzeitig ein Zielbild mit RSH und/oder sap fsm zu definieren, reduziert Risiken und Doppelaufwände.

RSH bildet viele Kernfunktionen der Kapazitäts- und Einsatzplanung ab: Plantafel, Arbeitsplatzlast, Terminpläne, Anlagensicht. Themen wie Qualifikationsprüfung oder Reisezeiten, die im Field Service wichtig sind, liegen eher im Verantwortungsbereich von sap field service management.

Wenn Sie viele Einsätze beim Kunden haben, Reisezeiten und Qualifikationen eine große Rolle spielen und Sie Serviceabrufe aktiv mit Kunden abstimmen müssen, ist sap fsm fachlich meist passender als eine reine EAM-Plantafel.

Ja. Ein häufiges Muster ist: RSH wird für mittelfristige Kapazitätsplanung auf Arbeitsplatzebene genutzt, sap fsm für die Feinplanung auf Techniker- und Routenebene. So vereinen Sie Stärken aus Instandhaltung und Field Service.

 

Eigenentwicklungen müssen identifiziert und fachlich bewertet werden: Was lässt sich mit Standardfunktionen in RSH oder FSM ersetzen, was braucht eine neue Lösung, was kann entfallen? Diese Analyse ist ein zentraler Baustein der Ablösestrategie.

Die Wahl von RSH und sap field service management hat direkten Einfluss auf die mobile Landschaft: FSM bringt eine eigene mobile App mit; für Instandhaltungsszenarien in der Anlage ist der SAP Service and Asset Manager häufig die passende Ergänzung. Beide Welten sollten zusammen mit den SAP-EAM-Prozessen gedacht werden.

RSH sitzt direkt im S/4HANA-System. sap fsm wird typischerweise über die SAP Business Technology Platform und passende Integrationsflows angebunden. Eine saubere sap integration ist Voraussetzung, damit Aufträge, Techniker und Rückmeldungen konsistent bleiben.

Sinnvoll ist ein strukturierter Einstieg: Analyse der heutigen MRS-Nutzung, Ableitung eines Zielbilds mit RSH und/oder sap fsm, Pilotbereich mit begrenzter Nutzerzahl und anschließender Rollout. Evora begleitet diesen Weg von der fachlichen Bewertung bis zum Betrieb – inklusive Application Management Services für die neuen Lösungen.