SAP Business Network Asset Collaboration: Stammdaten, Servicepartner und digitaler Zwilling

Wenn Instandhaltungsteams mit Herstellern, EPCs und Servicepartnern arbeiten, geraten klassische Punkt-zu-Punkt-Schnittstellen schnell an ihre Grenzen. SAP EAM bildet interne Prozesse sauber ab, doch der Informationsfluss endet häufig an der Werksgrenze: Hersteller liefern PDFs statt digitalem Zwilling, externe Partner arbeiten mit Excel oder Papier, und jede neue Integration verursacht Aufwand.
SAP Business Network Asset Collaboration (BNAC) setzt genau hier an – als kollaborative Erweiterung für SAP Integration zwischen Betreiber, Hersteller und Dienstleister.

 

Warum Punkt-zu-Punkt-Integration heute nicht mehr reicht

Viele Unternehmen haben individuelle Integrationen aufgebaut: EDI, File-Drops, Portale oder E-Mail-Abläufe. Diese Lösungen funktionieren, aber sie haben typische Schwächen:

  • hoher Integrationsaufwand bei jedem neuen Partner
  • wenig Transparenz über Stammdaten, Dokumente und Historien
  • kaum Skalierbarkeit bei wachsenden Partnerlandschaften

ERP- oder EAM-Systeme funktionieren intern gut – aber ohne saubere Anbindung an Hersteller und Dienstleister bleibt das Bild unvollständig.
SAP Business Network löst das, indem Partner sich einmal an das Netzwerk anbinden, während die Integration Richtung SAP S/4HANA oder ERP standardisiert bleibt. Betreiber müssen keine individuelle Schnittstellenlandschaft mehr aufbauen.

Was SAP Business Network Asset Collaboration leistet

BNAC adressiert die Zusammenarbeit rund um Anlagen, Geräte und Ersatzteile. Fachlich dreht sich alles um drei zentrale Bausteine.

Zentrales Asset-Repository

Ein cloudbasiertes Verzeichnis bündelt Assets aus einem oder mehreren ERP- oder EAM-Systemen – inklusive technischer Daten, Dokumentation, Historie und Herstellerbezug. Betreiber erhalten damit einen einheitlichen Blick auf die Asset-Struktur, unabhängig von Quelle und Format.

Kollaborative Asset-Definition (digitaler Handover)

Statt PDFs liefert der Hersteller einen digitalen Zwilling: Seriennummern, Struktur, Dokumentation, Zertifikate und Ersatzteillisten werden über das Netzwerk übergeben und bei Änderungen aktualisiert.
So entsteht ein vollständiger, strukturiert gepflegter Datensatz, der ohne Nacharbeit ins eigene SAP EAM übernommen werden kann.

Kollaborative Instandhaltung (Collaborative Maintenance)

Betreiber teilen Meldungen und Aufträge direkt mit Dienstleistern. Externe Partner bearbeiten Aktivitäten, Zeiten und Materialien im BNAC und melden zurück – direkt in das SAP-System des Betreibers.
Externe arbeiten nicht mehr „neben“ ERP und EAM, sondern sind Teil des Prozesses.

Für Betreiber bedeutet das: durchgängigere Stammdaten, weniger Medienbrüche und weniger manuelle Nacharbeit. Hersteller und Dienstleister gewinnen einen direkten digitalen Zugang zum Betreiber – inklusive Chancen für Servicegeschäft und Ersatzteilmanagement.

 

Praxisbeispiele: Repository, digitaler Handover und gemeinsame Auftragsbearbeitung

Enel: Millionen Assets im zentralen Repository

Der Energieversorger Enel verwaltet Millionen Assets über Länder und Systeme hinweg. Mit BNAC wurde ein zentrales Repository aufgebaut, das:

  • Asset-Strukturen aus SAP- und Nicht-SAP-Systemen zusammenführt

  • digitale Zwillinge mit Dokumenten und Historie enthält

  • interne Übergaben (z. B. von Projektteam zu Betrieb) sauber unterstützt

Das Ergebnis: Weniger Aufwand bei Stammdatenübergaben, höhere Datenqualität – und eine verlässliche Basis für spätere SAP APM– oder KI-Szenarien.

Leser: Digitaler Handover von Sicherheitsventilen

Der Hersteller Leser liefert Sicherheitsventile mit digitaler Kennung (z. B. QR-Code) aus. Während der Produktion werden alle relevanten Daten in einen digitalen Zwilling geschrieben:

  • Spezifikationen und Druckstufen

  • Prüf- und Abnahmeunterlagen

  • Ersatzteillisten nach VDI 2770

Beim Betreiber landet kein Papierordner mehr. Durch Scannen der Kennung wird der digitale Zwilling aus dem Netzwerk geladen und in SAP EAM integriert. Für Brownfield-Anlagen können Ventile nachträglich markiert und angereichert werden.

Externe Dienstleister: Collaborative Maintenance mit BNAC und Mobile App

Heute arbeiten viele externe Techniker noch mit PDF, Excel oder Telefon. Mit BNAC sieht der Ablauf deutlich klarer aus:

  • Betreiber teilt Meldungen und Aufträge aus SAP direkt mit dem Partner
  • der Dienstleister sieht Struktur, Historie und digitalen Zwilling
  • Status, Zeiten und Materialien fließen digital zurück
  • bei Bedarf offline über eine von Evora entwickelte MDK-App

Das Ergebnis: Der Prozess „SAP → BNAC → externer Techniker → BNAC → SAP“ wird durchgängig, transparent und deutlich schneller.

Einordnung in das SAP Intelligent Asset Management

BNAC steht im Zusammenspiel mit anderen Bausteinen des SAP-Portfolios:

  • SAP EAM bildet interne Prozesse und Buchungslogik ab.
  • SAP APM nutzt Indikatoren, Sensorik und Analytik.
  • SSAM (SAP Service and Asset Manager) adressiert mobile Instandhaltung.
  • BNAC verbindet externe Partner und Hersteller über digitalisierte Asset- und Serviceprozesse.

Über die SAP Integration Suite auf der BTP werden diese Komponenten vernetzt.
BNAC liefert damit den kollaborativen Layer: digitale Zwillinge, strukturierte Partnerdaten, gemeinsame Auftragsbearbeitung. EAM und APM greifen auf dieselben sauberen Stammdaten zu.

Für den späteren Betrieb bietet sich ein strukturiertes SAP Application Management Services-Modell an – insbesondere wenn APM, EAM, BNAC und SSAM gemeinsam genutzt werden.

Wie Unternehmen pragmatisch mit BNAC starten können

Anstatt große Programme aufzusetzen, hat sich ein schrittweiser Einstieg bewährt:

1. Use Case auswählen

Ein klarer Bereich wie Pumpen, Ventile, Übergabe von Neuanlagen oder ein spezifischer Servicepartner – wichtig ist: klarer fachlicher Nutzen und überschaubare Komplexität.

2. Pilotpartner einbinden

Ein Hersteller oder Dienstleister, der den digitalen Handover unterstützen kann und regelmäßig Services erbringt.

3. Proof of Concept mit Evora

Evora setzt BNAC in einer vorkonfigurierten Umgebung auf, integriert erste Assets und testet den End-to-End-Prozess – vom digitalen Zwilling bis zur Rückmeldung des externen Technikers.

4. Skalierung bewerten

Auf Basis echter Daten lässt sich der ROI klar quantifizieren. Danach folgt die Entscheidung, welche Bereiche, Werke oder Partner als Nächstes angebunden werden.

Wer bereits mit SAP APMSAP EAM oder SAP Service and Asset Manager arbeitet, erweitert seine Prozesskette mit BNAC um den externen Partnerkanal – ohne neue Insellösungen.

Möchten Sie tiefer ins Thema einsteigen?

Wenn Sie sehen möchten, wie digitaler Handover, Asset-Repository und kollaborative Instandhaltung in der Praxis funktionieren, empfehlen wir Ihnen unser On-Demand-Webinar. Dort zeigen wir konkrete Beispiele aus Projekten sowie typische Einstiegswege.
👉 Zum On-Demand-Webinar „BNAC – aber wieso? Stammqualitäten steigern, Hersteller einbinden, Prozesse optimieren“:
https://www.evorait.com/de/events/bnac-aber-wieso-stammqualitaeten-steigern-hersteller-einbinden-prozesse-optimieren/

FAQ zu SAP Business Network Asset Collaboration

BNAC ist ein cloudbasierter Service, der Betreiber, Hersteller und Servicepartner über digitale Zwillinge und standardisierte Prozesse verbindet – von Stammdaten bis zur gemeinsamen Auftragsbearbeitung.

Nein, BNAC funktioniert auch mit klassischem SAP ERP oder Nicht-SAP-Systemen. Die Integration in SAP EAM ist jedoch am umfangreichsten.

EDI überträgt Nachrichten, BNAC strukturiert die komplette Zusammenarbeit: digitale Zwillinge, Asset-Objekte, Meldungen, Aufträge, Statuslogik und UI.

 

Nein. Brownfield-Assets können nachträglich markiert und über das Netzwerk angereichert werden.

Servicepartner erhalten Zugang zum Netzwerk, arbeiten auf geteilten Assets und melden direkt zurück – optional über eine mobile App.

Hersteller liefern Produktdaten einmal strukturiert aus und bleiben über die Lebensdauer digital mit dem Betreiber verbunden.

Interne Techniker arbeiten mit SSAM, externe mit BNAC-App oder Webzugang. Die Rückmeldungen landen einheitlich in SAP EAM.

Mit einem Pilot-Asset, einem Pilotpartner und einem POC mit Evora – bevor eine größere Skalierung erfolgt.